Obstbäume schneiden – Schritt für Schritt
Wer Obstbäume in seinen Garten pflanzt, wünscht sich nach einer schönen Blütezeit im Frühjahr auch eine reichhaltige Ernte. Von Deinem eigenen Obstbaum genießt Du frische Früchte und hast zahlreiche Möglichkeiten, sie weiter zu verarbeiten und zu konservieren. Du hast, die Möglichkeit, Deine Obstbäume einfach wachsen zu lassen und sich damit zufriedenzugeben, dass sie mal mehr, mal weniger Früchte tragen und in manchem Jahr auch gar keine. Wünscht Du Dir aber eine regelmäßige Obsternte, solltest Du regelmäßig Deine Obstbäume schneiden und damit die Grundlage für ein optimales Wachstum schaffen.
Der richtige Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt
Der ideale Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt ist für Apfel- und Birnenbäume in den Monaten von Januar bis März. Der Baum befindet sich in dieser Zeit noch in der Winterruhe mit einem eingeschränkten Wasserfluss und die Knospen treiben noch nicht aus. Steinobstbäume sollen erst im März beschnitten werden und für empfindlichere Sorten wie Pfirsich oder Aprikose sind die Blütemonate März und April ideal für den Beschnitt. Bei der Wahl des Termins, an dem Du den Obstbaum schneiden möchtest, solltest Du darauf achten, dass die Temperatur nicht niedriger ist als minus fünf Grad Celsius. Bei niedrigeren Temperaturen besteht das Risiko, dass das Holz sehr brüchig ist und dadurch die Schnittwunden schlechter verheilen. Schneide den Obstbaum bei Regen oder Schneefall, besteht die Gefahr von Infektionen. Daher solltest Du einen Tag mit trockenem Wetter wählen. Beschneidest Du Deine Obstbäume aber zu spät, treibt er unter Umständen nicht richtig aus und trägt nur wenige Früchte.
Das richtige Werkzeug, um Obstbäume zu schneiden
Um Obstbäume zu schneiden, benötigen Sie neben einer stabilen Leiter auch scharfe und ausreichend starke Schneidewerkzeuge. Mit einer stumpfen Gartenschere fügst Du dem Baum unnötige Verletzungen zu. Zu empfehlen sind:
- Amboss-Schere für dünne Äste
- Bypass-Schere für dickere Äste
- Astsäge für starke Äste
- Schneidgiraffe mit Teleskopgriff für hohe Bäume
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Obstbaum schneiden: die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Abgestorbene Äste entfernen
Zunächst solltest Du alle abgestorbenen Äste aus dem Baum entfernen, denn sie belasten den Baum unnötig und liefern keine Ernte mehr. Achte darauf, dass Du die Äste auf Astring schneiden, also über der kleinen Rindenwulst an der Basis des Astes.
Schritt 2: Auslichtungsschnitt
Als Nächstes sollten Äste, die nach innen in die Baumkrone wachsen, entfernt werden. Sie stören die Struktur des Baumes und werfen unnötig Schatten auf die darunter liegenden Äste. Da Du die Obstbäume auch schneidest, damit die Äste in allen Bereichen gut mit Licht versorgt sind und sich auch die Früchte auf den unteren Ästen gut entwickeln können, sollten nach dem Schnitt alle Äste nach oben und außen gerichtet sein.Entferne daher auch jeweils einen Ast von Zweigen, die sich kreuzen und aneinander reiben. Dabei wählst Du den Zweig, der steiler nach oben oder stärker nach innen wächst aus. Diesen Teil des Baumschnitts bezeichnet man daher auch als Auslichtungsschnitt. Einer traditionellen Gärtnerweisheit zur Folge soll es nach dem Auslichtungsschnitt möglich sein, einen Hut durch die Baumkrone zu werfen, ohne dass er sich an einem Zweig verfängt.

Schritt 3: Wassertriebe entfernen
Als nächsten Schritt entfernst Du alle dünnen Äste, die lang nach oben schießen. Diese Wassertriebe kosten den Baum unnötig Kraft und tragen keine oder nur wenige Früchte. Wassertriebe kannst Du direkt an dem Ast abschneiden, aus dem sie herauswachsen. Achte jedoch auch hier darauf, dass der Astring stehen bleibt, um den Ast zu schützen.
Schritt 4: Der Verjüngungsschnitt
Auf den Auslichtungsschnitt folgt insbesondere bei älteren Bäumen, die schon einige Jahre nicht zurückgeschnitten wurden, der Verjüngungsschnitt. Er dient dazu, den Baum bei der Entwicklung neuer Triebe zu unterstützen. Obstbäume, die mehrere Jahre nicht geschnitten werden, tragen oft zwar viele Früchte, jedoch werden Früchte immer kleiner. Der Verjüngungsschnitt ist daher sinnvoll, um schmackhafte und große Früchte zu erhalten.Außerdem solltest Du regelmäßig Deine Obstbäume schneiden, um das Baumleben zu verlängern. Da es Ziel des Verjüngungsschnitts ist, den Baum auch in den unteren Kronenbereichen gut zu durchlüften und zu belichten, entferne dabei auch kräftige Äste aus dem oberen Kronenbereich. Auch Leitäste kannst Du zurückschneiden. Achte dabei darauf, immer kurz über einer nach außen gerichteten Triebknospe zu schneiden, damit der neue Zweig zum Licht wachsen kann. Der Baum wird dadurch unter Umständen insgesamt niedriger. Das bietet Dir aber den Vorteil, dass Du die Früchte in der Krone leichter ernten kannst.

Schritt 5: Der Formschnitt und die Wuchserziehung
Wenn Du Obstbäume schneidest, um ihnen eine schöne Form zu verleihen, handelt es sich um den Formschnitt. Er dient grundsätzlich der Wuchserziehung, denn Obstbäume können sehr unterschiedlich wachsen, wenn Du ihnen eine Richtung vorgibst. Beispiele dafür sind Spalierobst oder Hochstämmchen für kleine Gärten. Optimal für eine reichhaltige Ernte ist ein trichterförmiger Obstbaumschnitt, der die Sonne bis zu den unteren Ästen durchscheinen lässt.Geht es Dir aber weniger um einen hohen Ernteertrag als um die dekorative Wirkung, kannst Du Obstbäume so beschneiden, dass sie nur zu den Seiten wachsen. Dafür eignen sich insbesondere Apfel- und Birnenbäume. Kirschbäume sowie Pfirsich- und Aprikosenbäume eignen sich nur für einen fächerförmigen Wuchs. Für diesen dekorativen Wuchs benötigen die Obstbäume ein Spalier aus Holz oder kunststoffummantelten Drähten. Die Seitenäste werden möglichst mit einem elastischen, runden Band am Spalier befestigt, das die Triebe nicht einschnürt und verletzt.

Fehler beim Baumschnitt vermeiden
Grundsätzlich solltest Du Obstbäume so beschneiden, dass der Rückschnitt nicht zu radikal ist. Eine weitere Gärtnerweisheit besagt, dass ein starker Rückschnitt den Holzwuchs begünstigt, während ein leichter Rückschnitt die Fruchtbildung fördert.
Auch wenn ein Obstbaum einige Jahre lang nicht beschnitten wurde und daher einen kräftigen Verjüngungsschnitt benötigt, solltest Du diesen besser auf zwei Jahre verteilen, damit es nicht zu einem übermäßigen Neuaustrieb an der Spitze kommt. Die Auffassung, Schnittstellen müssten verschlossen werden, gilt heute als überholt. Es ist vielmehr vorteilhaft, wenn die Schnittstelle an der Luft trocknen und sich selbst verschließen kann.



