Eine schematische Darstellung zeigt den Aufbau eines Gerüsts mit schräger Strebe zur Stabilisierung, verstellbaren Gerüstfüßen auf unebenem Boden und einer Arbeitsplattform. Links hängt eine Anleitung an der Wand, ein Vogel sitzt auf der Traverse

Gerüst aufbauen – selber oder mit Gerüstbauer?

Arbeiten an Fassade oder Dach erfordern eine sichere Arbeitsplattform. Je nach Arbeitshöhe, Projektumfang und Unfallverhütungsvorschriften kommt dafür entweder ein selbst aufgebautes Gerüst (Rollgerüst) oder ein verankertes Fassadengerüst durch einen Fachbetrieb infrage. Erfahre hier, ab welchen Höhen ein Gerüst gesetzlich vorgeschrieben ist, welche Gerüsttypen Du selbst aufbauen darfst und wann die Montage durch einen zertifizierten Gerüstbauer zwingend erforderlich ist.

Wann kann ich ein Gerüst selber aufbauen?

Für kleinere Arbeiten am Einfamilienhaus eignen sich fahrbare Roll- und Faltgerüste zur Eigenmontage. Diese vorgefertigten Systemgerüste lassen sich flexibel aufstellen und erreichen je nach Modell Arbeitshöhen von bis zu sieben Metern.

Das musst du beachten:
  • Absturzsicherung: Eine Sicherungspflicht (z. B. durch ein Gerüst) gilt grundsätzlich schon ab 2 Metern Absturzhöhe.
  • Sicherheitsvorschriften: Der Aufbau muss strikt nach Herstellerangaben (Anleitung) und den Vorgaben der DGUV erfolgen.
  • Gerüstbauer erforderlich: Sobald ein komplettes Gebäude über mehrere Etagen eingerüstet werden muss, die Arbeitshöhe sieben Meter übersteigt oder ein komplexes Stahlrohr-Kupplungsgerüst nötig ist, muss ein Fachbetrieb beauftragt werden.

Gerüst aufbauen Schritt für Schritt

Erfahre in dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung, worauf beim Aufbau eines Arbeitsgerüstes zu achten ist.

Schritt 1: Vorbereitung und Materialprüfung

  • Bauteile auf Vollständigkeit und Beschädigungen prüfen
  • Herstelleranleitung zur Hand nehmen
Achte darauf, dass Du körperlich fit bist, wenn Du in höheren Ebenen arbeitest. Bevor Du das Gerüst aufbaust, prüfe alle Bauteile (Rahmen, Belagbühnen, Diagonale) auf Funktionsfähigkeit, Verformungen und Mängel. Beschädigte Teile dürfen keinesfalls verwendet werden!
Eine schematische Darstellung zeigt ein fahrbares Arbeitsgerüst mit Rollen, das bis zu drei Etagen hoch aufgebaut werden kann. Die Plattform liegt in einer Höhe von 1 bis 2 Metern. Links steht ein Baum, rechts ein Fensterladen, oben sitzt ein Vogel auf der Leiter. Unten links ist ein roter Kreis mit einer weißen 1

Schritt 2: Untergrund überprüfen und Gerüst aufrichten

  • Untergrund auf Ebenerdigkeit und Tragfähigkeit prüfen
  • Druckverteilende Unterlagen (z. B. Gerüstbohlen) bei weichem Boden nutzen
  • Fußspindeln/Fahrrollen positionieren und Grundstruktur rechtwinklig ausrichten
Der Boden muss eben und voll tragfähig sein. Auf Rasen oder Erde legst Du am besten feste Bohlen unter die Fußspindeln, um ein Einsinken zu verhindern. Richte die Grundelemente parallel zur Hauswand aus. Wichtig: Richte die Fußspindeln bereits jetzt mithilfe einer Wasserwaage exakt waagerecht und lotrecht aus – nicht erst, wenn das Gerüst belegt ist. Bei Rollgerüsten müssen zudem die Bremsen der Rollen vor dem Weiterbau festgestellt werden.
Eine schematische Darstellung zeigt den korrekten Aufbau eines Gerüsts auf festem Untergrund. Zwei Gerüstfüße stehen auf einer Betonfläche mit weniger als 30 cm Abstand zur Wand. Ein Warnsymbol weist darauf hin, dass der Untergrund stabil sein muss. Unten links ist ein roter Kreis mit einer weißen 2

Schritt 3: Vertikalrahmen, Diagonalen und Geländer montieren

  • Vertikalrahmen auf die Fußspindeln setzen
  • Rahmen mit Diagonalstreben aussteifen
  • Grundsicherung und Seitenschutz anbringen
Stecke die ersten Vertikalrahmen auf die Fußspindeln und verbinde sie sofort mit den Diagonalstreben. Die Diagonalen geben dem Gerüst seine statische Stabilität. Bring nun das erste Längs- und Stirngeländer an der Grundebene an, um den Arbeitsbereich abzusichern.
Eine schematische Darstellung zeigt den Aufbau eines Gerüsts in mehreren Schritten: Zuerst wird die Basis ausgerichtet, danach horizontale und diagonale Streben montiert. Ein Detailausschnitt zeigt die korrekte Verschraubung der Diagonalbefestigung. Unten links ist ein roter Kreis mit einer weißen 3

Schritt 4: Belagbühnen einlegen und Durchstiege sichern

  • Rutschfeste Belagbühnen in die Rahmen einhängen
  • Aushubsicherungen arretieren
  • Zugang über integrierte Durchstiegsluken sicherstellen
Lege die System-Belagbühnen in die Rahmen ein und sichere sie gegen ungewolltes Ausheben. Verwende ab der ersten Etage ausschließlich Belagbühnen mit integrierter Durchstiegsluke und Leiter, um ein sicheres Aufsteigen im Inneren des Gerüstes zu gewährleisten. Ein Aufsteigen an den Außenseiten des Gerüstes ist unzulässig.
Eine schematische Darstellung zeigt das lotgerechte Ausrichten eines Gerüsts mit Hilfe der Fußspindeln. Das Gerüst steht auf unebenem Boden und wird über die Stellfüße waagerecht ausgerichtet. Eine Diagonalstrebe sorgt für zusätzliche Stabilität. Unten links ist ein roter Kreis mit einer weißen 4

Schritt 5: Absicherung und Verankerung

  • Voreilenden Seitenschutz (Montage-Sicherungsgeländer) nutzen
  • Etagenweise nach Herstellerangabe aufbauen
  • Bordbretter anbringen und Gerüst an der Fassade verankern
Beim Aufstocken höherer Ebenen musst Du Dich vor dem Betreten der neuen Plattform sichern (z. B. durch ein voreilendes Geländer). Verankere das Gerüst ab der vom Hersteller vorgegebenen Höhe mit Gerüsthaltern und Schwerlastdübeln fest in der Fassade. Bringe zum Abschluss auf allen Arbeitsebenen den dreiteiligen Seitenschutz (Bordbrett, Zwischenholm, Geländerholm) an.
Eine schematische Darstellung zeigt die Montage von Geländern und Diagonalstreben zur Absicherung eines Gerüsts. In vier Schritten werden Sicherheitsstangen, Arbeitsböden und zusätzliche Streben angebracht. Eine Nahaufnahme zeigt das sichere Einhaken der Verbindungselemente. Unten links ist ein roter Kreis mit einer weißen 5

Bist Du unsicher und hast Bedenken, ein Gerüst im Außenbereich in größeren Höhen aufzubauen, wende Dich besser an einen Fachmann.