Baum im eigenen Garten fällen: Arbeite wie ein Profi
Bäume im Garten sind willkommene Schattenspender an heißen Tagen, Nistplätze für Vögel oder attraktive Bienenweide. Es gibt viele Gründe, Bäume zu hegen und zu pflegen – allerdings auch ebenso viele, sie zu fällen. Denn spätestens, wenn sie alt und morsch sind oder zu Streit mit dem Nachbarn führen, ist es an der Zeit, über eine Baumfällung nachzudenken. Diese Schritt-für-Schritt Anleitung verrät Dir, was Du dabei beachten musst.
Inhaltsverzeichnis
- Was gilt es zu beachten?
- Schutzkleidung anlegen
- Arbeitsgeräte überprüfen und ablegen
- Fälltechnik und Fällrichtung bestimmen
- Fällradius kalkulieren
- Fallkerb setzen
- Fällschnitt vorbereiten
- Umgebung informieren
- Fällschnitt ausführen
Was gilt es vor dem Fällen zu beachten?
Bevor Du Hand an den Baum in Deinem Garten legst, informiere Dich über die geltende Rechtslage in Deiner Stadt oder Gemeinde. Allgemein gilt: Gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es zu jeder Zeit erlaubt, Bäume im eigenen Garten zu fällen. Die Grundlage findest Du in § 39, Absatz 5, Satz 3 BNatSchG. Viele Städte und Gemeinden verfügen über eigene Baumschutzsatzungen. In diesen regeln die Behörden, wie mit Bäumen in ihrem Hoheitsbereich umzugehen ist. Häufig bedarf es bei durchmesserstarken, dicken Hölzern einer Fällgenehmigung. Auch artenschutzrechtliche Gründe sprechen gegen ein Abholzen. Brüten Vögel im Baum, ist das Fällen in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September untersagt. Handelt es sich um alte Bäume, in denen streng geschützte Vogelarten oder Fledermäuse ihre Wohnstätte haben, wird es schwierig. Nach geltendem Recht bist Du verpflichtet, für ein Ausweichquartier zu sorgen. Zu empfehlen ist, in solch einem Fall die zuständigen Naturschutzbehörde zu kontaktieren und nach individuellen Lösungen zu suchen.
Du handelst umsichtig,
- wenn Du die geltende Baumschutzsatzung Ihrer Stadt oder Gemeinde beachtest.
- wenn Du die Bäume in Deinem Garten im Zeitraum vom 30. September bis 1. März fällst.
- wenn Du beim Verdacht auf streng geschützte Arten die zuständige Naturschutzbehörde vorab informierst.
Baum fällen – Schritt für Schritt
Schritt 1: Schutzkleidung anlegen
- Schnittschutzhose & -schuhe
- Sicherheitshelm & Gesichtsschutz
- Erste Hilfe Kasten greifbar?
Das Fällen von Bäumen ist eine gefährliche Arbeit. Ungeübte und Anfänger unterschätzen das Risiko, das von unsachgemäß geführten Sägen, splitterndem Holz oder herunterfallenden Ästen ausgeht. Ohne Schutzbekleidung beginst Du Dich beim Baum fällen im eigenen Garten in Gefahr. Der minimale Schutz besteht in einer Schnittschutzhose, Schnittschutzschuhen, sowie einem Sicherheitshelm - idealerweise mit Gesichtsschutz. Vorteilhaft ist, wenn Du zu einer weiteren Person während der Arbeiten Ruf- oder Sichtkontakt hast und den Erste-Hilfe-Kasten in Deiner nähe ist.

Schritt 2: Arbeitsgeräte überprüfen und richtig ablegen
Bevor Du mit dem Holzen beginnst, überprüfe Deine Arbeitsgeräte. Eine optimal funktionierende, der Holzstärke angepasste Kettensäge ist Voraussetzung für sicheres und schnelles Arbeiten. Gut gespannte und geschärfte Ketten bewahrst Du vor langsamen Arbeitsfortschritt sowie unnötigen Unterbrechungen. Achten ebenfalls darauf, dass die Motorbremse in Takt ist und Du genügend Sprit und Öl nachgefüllt hast.Prinzipiell ist es möglich, elektrisch betriebene Sägen zum Fällen zu verwenden. Diese Modelle haben gegenüber Motorsägen eine geringere Leistung und den Nachteil, dass die Schnur Dich beim Arbeiten behindert. Bei dicken Bäumen benötigst Du zusätzlich mehrere Keile und eine Axt. Kunststoffkeile benutzt Du bis zu einem Stammumfang von 40 Zentimetern, für dickere Stämme sind Aluminiumkeile die richtige Wahl. Lege alle Werkzeuge der Fällrichtung entgegengesetzt ab.

Schritt 3: Fälltechnik und Fällrichtung bestimmen
Im Garten ist der Platz begrenzt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Du Dich vor dem Fällen über die Fällrichtung im Klaren bist. Bedenke, dass der Baum ausufernde Äste und viel Blattwerk besitzt oder eingekeilt zwischen mehreren Bäumen steht. Abhängig von Höhe und Alter nimmt der Baum nach dem Fällen eine bestimmte Fläche ein, die viele vor Beginn der Arbeit unterschätzen. Mit umsichtigem Vorgehen vermeidest Du Schäden an anderen Bäumen oder Gegenständen. Bestimme den Durchmesser des Baumes in Brusthöhe. Entferne Moos oder Flechten per Axt vom Stammfuß, um die Kette der Säge zu schonen.
Schritt 4: Fällradius kalkulieren
Steht die Fällrichtung fest, bestimmst Du den Fällradius und den daraus resultierenden Kreis um den Baum. Als Faustregel gilt eine 2-fache Baumlänge als Gefahrenbereich. Beachte ebenfalls die Fläche in abgewandter Fällrichtung. Wenn es Dir nicht gelingt, den Baum in die vorbestimmte Richtung zu fällen, bedeutet das für Personen innerhalb der Kreisfläche eine Gefahr.
Schritt 5: Fallkerb am Baum setzen
Nach erfolgten Vorarbeiten setzt Du den Fallkerb exakt in Fällrichtung. Der erste Schnitt, das Sägen des Fallkerbdaches, erfolgt in einem Neigungswinkel von 45 bis 60 Grad schräg von oben auf eine gedachte waagerechte Schnittlinie. Das ist die Fallkerbsohle, die ca. 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden liegt. Die Fallkerbsohle entsteht nach dem Falkerbdach durch einen waagerechten Schnitt, der maximal bis zu 1/3 des Baumdurchmessers reicht. Fallkerbdach und Sohle treffen sich in einem Punkt. Gegebenenfalls bedarf es der Nacharbeit. Den ausgesägten Keil entfernst Du aus dem Baum.
Schritt 6: Fällschnitt am Baum vorbereiten
Für die weiteren Arbeiten entferne in Form von kleinen Keilen die Wurzelanläufe auf Höhe des Fallkerbes an den zwei Seiten, die sich jeweils rechtwinklig zum Fallkerb anschließen. Das erleichtert Dir den nächsten Schritt: Höhe und Ausdehnung des Fällschnittes exakt einzuzeichnen. Der Fällschnitt erfolgt auf Höhe der Fallkerbsohle plus Bruchstufe, gemessen in senkrechter Richtung. Die Bruchstufe beträgt 1/10 des zuvor ermittelten Brusthöhendurchmessers.Hast Du einen Durchmesser von 30 Zentimetern ermittelt, liegt die Bruchstufe 3 Zentimeter über der Fallkerbsohle. Ebenso groß ist die Bruchleiste. Die Entfernung markierst Du in waagerechter Richtung ausgehend von der Fallkerbsohle mit einem Filzstift auf den angesägten Wurzelkeilen. Das Ergebnis beider Linien ist eine Stufe zur Fallkerbsohle.

Schritt 7: Umgebung über Baumfall informieren
Bevor Du den Fällschnitt ausführst, informiere die nähere Umgebung über den bevorstehenden Fall des Baumes. Während der Arbeiten hast Du Dich auf das Messen, Sägen und Markieren konzentriert und weniger auf die Situation im Garten geachtet. Es ist jederzeit möglich, dass unbemerkt Personen in den Fällradius gelangt sind. Weise mit dem Ruf „Achtung, Baum fällt“ vorsichtshalber auf die eintretende Situation hin.

Schritt 8: Fällschnitt ausführen
Beginne seitlich zum Fallkerb das Fällen mit einem Stechschnitt mittig der Bruchstufenlinie. Dabei führst Du den unteren Viertelkreis der Sägenschienenspitze in das Holz ein und stichst es bis zur gegenüberliegenden Seite durch. Achte auf die eingezeichnete Bruchstufe und komm in diesem ersten Schritt dem Fallkerb nicht zu nahe. Bist Du mit der Säge auf der gegenüberliegenden Baumseite angekommen, sägst Du zuerst an Deiner Standseite bis zur markierten Ecke, an der sich Bruchstufe und Bruchleiste treffen und beende die Bewegung auf der gegenüberliegenden Baumseite.Danach schließt Du den Schnitt weg vom Fallkerb ab und durchtrennen den Baum vollständig bis auf eine minimale Sicherheitsleiste auf der gegenüberliegenden Fallkerbseite. Nach Bedarf setzt Du mit der Axt einen Keil in den Sägespalt, um den Baum in die richtige Fällrichtung zu zwingen. Vor dem letzten Schritt, dem Durchtrennen der Sicherheitsleiste, checke nochmal die Umgebung und ruf laut. Nach erfolgreichem letzten Schnitt entfernst Du entgegengesetzt zur Fällrichtung vom Baum. Fertig!




