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Sicherheit beim Schweißen – Gefahrenquellen erkennen und vermeiden

Beim Schweißen lauern zahlreiche Gefahren. Für die Augen besteht ohne ausreichenden Schutz das Risiko nachhaltiger Schäden, zudem können die bei Schweißarbeiten freigesetzten Funken und Gase zu Bränden und Explosionen führen. Wie Sie die häufigsten Gefahrenquellen bei Schweißarbeiten erkennen und die Sicherheit beim Schweißen erhöhen, erfahren Sie in unserem nachfolgenden Ratgeber.

Schutzausrüstung beim Schweißen – Grundausstattung

Beim Schweißen werden Temperaturen von bis zu mehreren Tausend Grad Celsius erzeugt. Zum Schutz vor Hautverbrennungen sollten Sie deshalb auf jeden Fall Schutzbekleidung tragen. Zur Grundausstattung für Schweißer gehört deshalb folgende Schutzausrüstung:

  • Schweißerschutzschild für Kopf und Augen mit Strahlenschutzfilter
  • Schweißerschutzhandschuhe
  • Lederschürze, Schweißerschutzanzug
  • spezielle Schweißer-Schutzschuhe
  • evtl. Schweißermütze

Spezielle Schweißverfahren erfordern teilweise besondere Schutzausrüstung. Auskunft darüber geben Ihnen zum Beispiel Berufsgenossenschaften.

Strahlung beim Schweißen

Gefahr durch Strahlung

Entsteht beim Schweißen ein Lichtbogen, setzt dieser starke UV-Strahlung frei, die Augen und Haut schädigen kann. So verursachen die UV-Strahlen am Auge unter anderem Bindehautentzündungen. Bei längerer Exposition können die Augen jedoch dauerhaft geschädigt werden. Ebenso ist eine Erblindung durch fehlenden Augenschutz bei Schweißarbeiten möglich. Langfristig kann UV-Strahlung und auch Infrarotstrahlung durch Schweißen Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung begünstigen. Zudem können beide Strahlungen einen „Sonnenbrand“ auslösen und langfristig zu Linsentrübung und grauem Star führen. Eine weitere Gefahr beim Schweißen ohne ausreichenden Augenschutz ist die sichtbare Blendstrahlung. Diese kann die Sehfähigkeit und somit die Arbeitssicherheit kurzfristig stark einschränken.

Geeignete Schutzmaßnahmen bei Strahlung beim Schweißen

So schützen sich Schweißer und Personen in der Nähe von Schweißarbeiten bestmöglich vor der auftretenden Strahlung:

  • Persönliche Schutzausrüstung: Zur Grundausstattung beim Schweißen gehört ein Schutzschild bzw. eine Schweißerschutzmaske mit ausreichendem Seitenschutz gegen seitlich einfallende Strahlung. Eine einfache Schweißerbrille schützt die Haut an Gesicht und Hals nicht ausreichend. Um Strahlung vom Körper fernzuhalten, ist ein spezieller Schutzanzug nötig. Die Hände müssen durch Schweißerhandschuhe vor Strahlung und Hitze geschützt werden. Greifen Sie beim Kauf der Schutzausrüstung auf Produkte renommierter Hersteller mit den für die jeweilige Schweißtechnik vorgeschriebenen Strahlenschutzfiltern zurück. Bei Billigangeboten könnte es sich um Ware ohne ausreichenden Schutz oder um Produktfälschungen handeln. Besonders gefährlich ist ein unzureichender Schutz für die Augen durch lediglich getönten Kunststoff ohne ausreichende UV-Abschirmung. Aufgrund des verminderten Lichteinfalls weiten sich die Pupillen hinter dem Schutz. Dies erhöht den Einfall der UV-Strahlung zusätzlich.
  • Personen in der Nähe schützen: UV- und Infrarotstrahlung können sich weit über den eigentlichen Schweißplatz hinaus ausbreiten. So werden durch Schweißarbeiten auch andere Mitarbeiter im Betrieb oder unbeteiligte Personen gefährdet. Sie können die Ausbreitung von Strahlung verhindern, indem Sie den Schweißplatz mit Schweißvorhängen oder Schweißschutzwänden abschirmen. Ist dies nicht vollständig möglich, oder bewegen sich zum Beispiel andere Arbeiter in der Nähe des Schweißplatzes, müssen diese ebenfalls entsprechende Schutzausrüstung tragen.

Gefahrenquelle elektrischer Strom

Insbesondere beim Lichtbogenschweißen bzw. bei der Arbeit mit Elektroschweißgeräten wird mit sehr hohen Stromstärken gearbeitet. Stromunfälle beim Schweißen ohne geeignete Schutzausrüstung führen daher oft zu schweren Verletzungen oder enden sogar tödlich. Normalerweise sind bei Schweißgeräten die Strom führenden Teile und Leitungen ausreichend isoliert oder vor Berührung geschützt. Dies ist jedoch bei Elektroschweißgeräten nicht möglich, da hier gerade der Strom zum Schweißen genutzt wird.

Vor Unfällen durch elektrischen Strom beim Schweißen schützen

Schweißen

Zum Schutz vor Stromunfällen beim Schweißen sollten folgende Schutzvorkehrungen eingehalten werden:

  • Intakte Isolierungen: Checken Sie das Schweißgerät und zuführende Kabel vor Beginn der Arbeit auf Schäden an der Isolierung. Die Isolierung von Kabeln kann zum Beispiel durch starkes Abknicken oder scharfkantige Gegenstände beschädigt werden.
  • Isolierende Matte: Stehen Sie beim Schweißen möglichst auf einer isolierenden Matte. Dies mindert die Verletzungsgefahr bei einem Kontakt mit Strom führenden Teilen.
  • Trockene Kleidung: Nasse, durchgeschwitzte Kleidung leitet Strom besser als trockene Kleidung. Tragen Sie beim Schweißen daher stets trockene Kleidung. Schweiß erhöht die Leitfähigkeit von Kleidung und der Haut durch die enthaltenen Salze besonders stark.
  • Schutzkleidung: Spezielle Schweißer-Schutzkleidung hat eine gewisse isolierende Wirkung gegen Strom und sollte daher unbedingt beim Elektroschweißen getragen werden.
  • Trockener Arbeitsplatz: Eine feuchte Umgebung beim Schweißen begünstigt Stromunfälle ebenfalls. So kann Wasser auf dem Boden in defekte Isolierungen oder Steckverbindungen eindringen und so zu schweren Unfällen und Kurzschlüssen führen. Hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit erhöhen das Risiko von Stromunfällen ebenfalls.
  • Stromversorgung über Fehlerstromschutzschalter: Damit die Stromzufuhr im Falle eines Unfalls oder Kurzschlusses schnell automatisch unterbrochen wird, sollte das Schweißgerät an einem ausreichend abgesicherten Stromkreis (Fehlerstromschutzschalter etc.) betrieben werden. Separate Sicherungen und Schutzschalter am Gerät erhöhen die Sicherheit zusätzlich.

Brand- und Explosionsgefahr durch Schweißarbeiten

Schweißen und Hitze

Beim Schweißen entsteht große Hitze. Außerdem kann es zu Funkenflug kommen. So breiten sich Funken beim Schweißen und Brennschneiden teilweise über sieben Meter weit aus. Dadurch können diese auch weiter entfernt abgestellte Gegenstände oder Flüssigkeiten entzünden. Funkenbildung tritt ebenso beim Lichtbogen- oder Gasschweißen auf. Die Flugweite der Funken ist hier allerdings deutlich geringer und beschränkt sich in der Regel auf den Bereich unterhalb der Schweißstelle. Mitunter bewegen sich heiße Funken bzw. Partikel jedoch rollend über größere Distanzen fort. Funken und beim Schweißen freigesetzte Metallpartikel können Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius erreichen. Diese Temperatur reicht zum Entzünden der meisten brennbaren Materialien. Besonders häufig treten Brände bei Schweißarbeiten auf, wenn diese zum Beispiel bei Sanierungsprojekten ausgeführt werden, die keinen speziell eingerichteten Schweißplatz bieten. Die beim Schweißen teilweise freigesetzten Gase können sich entzünden und so unter bestimmten Bedingungen Explosionen auslösen. Zudem führen aus defekten Schweißgeräten, Ventilen oder Gasflaschen freigesetzte Gase zu einer erhöhten Explosionsgefahr.

Schutzmaßnamen zur Vermeidung von Bränden und Explosionen beim Schweißen

Die Sicherheit beim Schweißen lässt sich durch die folgenden Schutzmaßnahmen vor Bränden und Explosionen deutlich erhöhen:

  • Auf technische Defekte achten: Checken Sie vor dem Schweißen das Schweißgerät und Zubehör wie Gasflaschen, Ventile, Schläuche und Kabel auf Defekte oder Verschleißerscheinungen, die zum Beispiel zu Kurzschlüssen oder der Freisetzung von Gasen führen könnten.
  • Keine brennbare Kleidung: Tragen Sie beim Schweißen schwer entflammbare Schweißerbekleidung. Freizeitkleidung mit Kunststofffasern fängt teilweise sehr schnell Feuer.
  • Arbeitsstelle freihalten: Entfernen Sie möglichst alle brennbaren Gegenstände und Flüssigkeiten aus der Umgebung des Schweißplatzes. Zudem sollte die Umgebung des Schweißplatzes frei von brennbaren Abfällen sein, da diese häufig Ursache für Brände sind.
  • Abdecken und Abdichten: Lassen sich brennbare Gegenstände oder Bauteile aus der Umgebung des Schweißplatzes nicht entfernen, müssen diese mit geeigneten Materialien abgedeckt werden. Dazu können Sie zum Beispiel spezielle Brandschutzplatten verwenden. Auch nasser Sand ist zum Abdecken von beispielsweise brennbaren Böden geeignet. Verwenden Sie Bleche zum Abdecken, dürfen diese aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit nicht direkt an brennbaren Gegenständen anliegen. Heiße Funken und heiße Metallpartikel können zum Beispiel durch Ritzen, Rohr- und Wanddurchbrüche in benachbarte Räume gelangen und dort zu Bränden führen. Eine Ausbreitung von heißen Partikeln ist ebenso über Kabelschächte möglich. Dichten Sie daher entsprechende Ritzen und andere Öffnungen vor dem Schweißen mit Gips, Lehm oder feuchtem Sand ab.
  • Ablegen von Schweißgeräten: Teilweise geben Schweißgeräte auch einige Zeit nach der Benutzung noch so viel Hitze ab, dass die Zündtemperatur vieler Materialien erreicht wird. Ein besonderes Risiko besteht beim Ablegen von Schweißgeräten mit offener Flamme. Legen Sie Schweißgeräte daher nur auf feuerfesten Untergründen ab.
  • Gute Belüftung: Sorgen Sie bei Schweißarbeiten für eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes. So können austretende oder beim Schweißen selbst freigesetzte Gase nicht so leicht die zum Entzünden erforderliche Konzentration in der Luft erreichen.
  • Feuerlöscher bereitstellen: Um Brände schnell bekämpfen zu können, sollte bei Schweißarbeiten stets ein Feuerlöscher und/oder anderes Löschgerät bereitstehen. Die Sicherheit beim Schweißen wird zusätzlich durch eine zur Brandwache abgestellte Person erhöht.
  • Check nach Abschluss der Schweißarbeiten: Brände können auch viele Stunden nach Abschluss der Schweißarbeiten entstehen. So bleiben Schwelbrände oft lange unbemerkt, bis diese sich zu einem sichtbaren Brand ausweiten. Prüfen Sie daher die Umgebung um den Schweißort nach Abschluss der Arbeiten gründlich auf kleine Brände, Brandgeruch oder Rauch. Nach Möglichkeit sollte die Umgebung um den Schweißplatz bis 24 Stunden nach Abschluss der Arbeiten beobachtet werden.
Schweißen und Gefahren

Gesundheits- und Umweltgefährdung durch Schadstoffe

Abhängig von der Schweißtechnik können bei Schweißarbeiten unterschiedliche Schadstoffe entstehen. So werden beim Schweißen von lackierten Metallen Schadstoffe durch das Verbrennen der Lackschicht freigesetzt. Dies gilt auch beim Schweißen von ölverschmierten oder mit Kunststoff beschichteten Metallen. Zudem kann beim Schweißen von legiertem Metall bzw. Stahl zum Beispiel giftiger Chrom- und Nickelrauch entstehen. Ein anderer durch Schweißarbeiten entstehender Schadstoff ist Ozon. Die genannten Schadstoffe können teilweise Allergien und ernsthafte Erkrankungen wie Krebs auslösen. Darüber hinaus besteht bei einer starken Schadstofffreisetzung das Risiko von Bewusstseinseintrübungen, welche die Sicherheit beim Schweißen zusätzlich mindern. Außerdem belasten die entstehenden Schadstoffe die Umwelt.

So schützen Sie sich bestmöglich vor Schadstoffen durch Schweißarbeiten

Eine Schadstofffreisetzung beim Schweißen lässt sich nicht immer komplett verhindern. Mit den folgenden Maßnahmen können Sie die Risiken durch Schadstoffe jedoch minimieren:

  • Lack und Schmutz entfernen: Entfernen Sie vor den Schweißarbeiten Lack, Beschichtungen und Schmutz mit einem großzügigen Abstand um die Schweißstelle.
  • Schweißstrom und Schweißspannung gering halten: Die Reduktion von Schweißstrom und Schweißspannung kann die Schadstofffreisetzung teilweise mindern.
  • Thoriumoxid-Elektroden meiden: Verwenden Sie nach Möglichkeit keine Elektroden, die radioaktives Thoriumoxid enthalten.
  • Schadstoffarme Schweißverfahren: Als relativ schadstoffarm gelten die Schweißverfahren mit Pulver, das Laser- und Impulsschweißen sowie das Wolfram-Inertgasschweißen. Die meisten Schadstoffe werden beim Lichtbogenschweißen mit Stabelektroden per Hand freigesetzt. Eine schadstoffärmere Alternative hierzu ist das MAG-Schweißen.
  • Atemschutz: Zum Schweißen stehen verschiedene Atemschutzsysteme zur Verfügung, die meist an das jeweilige Schweißverfahren angepasst sind.
  • Gute Belüftung: Die Schadstoffbelastung kann durch eine gute Belüftung teilweise gemindert werden.

Gefährdung durch Lärm

Beim Schweißen entsteht, je nach Schweißverfahren, erheblicher Lärm. Deshalb kann bei Schweißarbeiten ein Gehörschutz angebracht sein. Generell ist ab einem Lärmpegel von 85 dB ein Gehörschutz vorgeschrieben. Besteht bereits ein Hörschaden, sollten Sie bereits ab einem Pegel von 80 dB einen Gehörschutz tragen. Für Schweißerhelfer und andere Personen, die sich in der Nähe des Schweißplatzes aufhalten, ist bei entsprechenden Lärmpegeln ebenfalls ein Gehörschutz vorgeschrieben.

Enge Räume stellen ein besonderes Risiko dar

Gase und Schadstoffe können sich besonders schnell in engen Räumen anreichern. Dazu zählen zum Beispiel Kessel, kleine Heizungsräume oder Schächte. Daher ist in engen Räumen beim Schweißen teilweise ein Atemschutz für Schweißer und Helfer vorgeschrieben. Eine aktive Belüftung der Räume kann das Risiko einer Schadstoff- und Gasanreicherung in der Luft vielfach mindern. Außerdem beugt eine Belüftung einem Sauerstoffmangel durch Schweißarbeiten vor. Aus Gründen der Brandprävention darf jedoch nicht mit reinem Sauerstoff belüftet werden. Auch zur Kühlung des Schweißplatzes ist Sauerstoff deshalb keinesfalls geeignet.

An einem Schweißerkurs teilnehmen

Richtiges Schweißen erfordert Sachkunde und praktische Erfahrung. In Schweißerkursen werden entsprechende Fähigkeiten vermittelt. Zudem erhalten Sie in den Kursen meist auch wertvolle Tipps zur Sicherheit beim Schweißen.